Wissenswertes

Alles rund um Smart Energy und die Energiewende

Negative Strompreise in Österreich: wann, wie oft und wer profitiert

•5 Min. Lesezeit

Von Dr. Wolfgang Gassler

Säulendiagramm: Stunden mit negativem Strompreis in Österreich pro Monat von November 2025 bis Oktober 2026, mit Spitze im April

Negative Strompreise klingen nach einem Fehler, sind in Österreich aber längst Alltag, zumindest an sonnigen Wochenenden im Frühling. Wir haben alle 35.040 Viertelstundenpreise der letzten zwölf Monate ausgewertet: wann der Börsenpreis unter null fällt, wie tief und wer davon etwas hat.

Kurz gesagt

Vom 28. Oktober 2025 bis 27. Oktober 2026 war der Börsenpreis in Österreich 253 Stunden an 63 Tagen negativ, meist zwischen 9 und 16 Uhr, zu 71 % am Wochenende und vor allem von April bis Juni. Im Schnitt lag er dann nur knapp unter null (−2,6 Cent/kWh). Netzentgelte und Steuern fallen weiter an, mit einem dynamischen Tarif kostet Strom in diesen Stunden aber nur einen Bruchteil.

Wie oft ist der Strompreis negativ?

MonatStunden mit negativem Preis
Februar 20264
März 202613
April 202686
Mai 202666
Juni 202648
Juli 202622
August 20266
September 202610

Day-Ahead-Viertelstundenpreise für Österreich (EPEX Spot), Daten: Energy-Charts. Gerundet; November bis Jänner gab es keine negativen Preise.

  • Tiefster Wert: −49,86 Cent/kWh am 1. Mai 2026 um 13:30 Uhr, einem Feiertag.
  • Längste Phase: 10 Stunden am Stück am Sonntag, 7. Juni 2026, ab 7:45 Uhr.
  • Durchschnitt der negativen Viertelstunden: −2,6 Cent/kWh. Meist ist der Preis also nur knapp unter null.

Wann es passiert

Neun von zehn negativen Viertelstunden lagen zwischen 9 und 16 Uhr, am häufigsten von 12 bis 14 Uhr. 71 % davon fielen auf Samstage und Sonntage. Das Muster ist klar: viel Sonne, wenig Verbrauch. An 45 Tagen waren sogar die elf günstigsten Viertelstunden negativ, genug, um einen Boiler komplett aufzuheizen.

Warum Strom manchmal weniger als nichts kostet

Mittags speisen in ganz Mitteleuropa Millionen PV-Anlagen ein. Am Wochenende brauchen Industrie und Büros wenig Strom, und manche Kraftwerke können nicht beliebig schnell herunterfahren. Ist mehr Strom im Netz als verbraucht wird, sinkt der Preis unter null: Wer abnimmt, wird bezahlt, wer einspeist, zahlt. Je mehr Speicher und flexible Verbraucher es gibt, desto seltener wird das passieren.

Was du in diesen Stunden zahlst

Mit einem Fixpreis-Tarif merkst du von negativen Preisen nichts. Mit einem dynamischen Tarif zahlst du den Börsenpreis plus Aufschlag, dazu Netzentgelte und Steuern wie immer. Unterm Strich wird es selten gratis, aber sehr günstig:

🧮Beispiel: Tirol, TIWAG flex privat, Sonntag 13 Uhr im Mai

Mit dem durchschnittlichen negativen Börsenpreis: −2,61 ct + 1,20 ct Aufschlag + 5,45 ct Netz-Arbeitspreis (6,81 ct mit 20 % SNAP-Rabatt) + 0,10 ct Elektrizitätsabgabe = 4,14 ct netto, mit Umsatzsteuer rund 5 Cent pro kWh. Dazu kommen kleinere Beträge wie das Netzverlustentgelt. Zum Vergleich: Im Jahresschnitt kostet Strom in Tirol rund 25 Cent pro kWh, alles inklusive.

Den Boiler genau dann heizen: geht-e erkennt günstige und negative Preisstunden und schaltet deinen Boiler automatisch ein.

So funktioniert geht-e

Wer profitiert und wer nicht

  • Haushalte mit dynamischem Tarif und verschiebbarem Verbrauch (Boiler, E-Auto, Batterie): Sie holen sich den billigsten Strom des Jahres, ohne etwas zu tun, wenn die Steuerung automatisch läuft.
  • Haushalte mit Fixpreis zahlen ihren normalen Preis, profitieren aber vom SNAP, der im Sommer genau in diesen Stunden das Netzentgelt senkt.
  • PV-Besitzer mit marktabhängigem Einspeisetarif bekommen in diesen Stunden wenig oder nichts für ihren Strom. Für sie lohnt es sich, den Überschuss selbst zu nutzen, etwa mit der PV-Überschuss-Steuerung.

Die aktuellen Preise für heute und morgen findest du unter Spotpreise aktuell, die Monatswerte in der Spotpreis-Statistik. Wie sich die Preise 2025 entwickelt haben, zeigt unser Rückblick auf 2025.

Günstige Stunden automatisch nutzen

Mehr erfahren

Geschrieben von Dr. Wolfgang Gassler, Gründer von geht-e, Spezialist für skalierbare Datenplattformen.

Mehr über das Team →

Unterstützt von

Interreg Central EuropeLand TirolStartup TirolInncubatorAplusB