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Legionellen im Boiler: Welche Temperatur ist sicher?

•8 Min. Lesezeit

Legionellen sind Bakterien, die in fast jedem Leitungswasser in geringer Zahl vorkommen. Gefährlich werden sie, wenn sie sich in lauwarmem, stehendem Wasser stark vermehren, etwa in einem Boiler, der lange nicht heiß genug wird. 2025 wurden in Österreich 419 Erkrankungen bestätigt. Im Sommer 2026 erkrankten im Raum Linz 32 Menschen, drei starben; als Quelle gilt dort laut AGES ein Kühlturm. In Wien wurden im Juli zwölf Erkrankte behandelt, in Tirol meldete der ORF bis Oktober 78 Fälle und vier Todesfälle.

Wir erklären, welche Temperatur dein Elektroboiler haben sollte, was Gesundheitsbehörden in Österreich empfehlen, was die Stufen am Regler eines klassischen Austria-Email-Boilers bedeuten, ob eine Zeitschaltuhr ein Problem ist und worauf du nach dem Urlaub achten solltest.

Kurz gesagt

  • ✔ Das Gesundheitsministerium und mehrere Bundesländer empfehlen 60 °C am Boilerausgang und 55 °C in den Leitungen.
  • ✔ Bei einem Austria-Email-Boiler entspricht das laut Bedienungsanleitung der Stufe 3 (ca. 65 °C).
  • ✔ Der Boiler sollte diese Temperatur regelmäßig wirklich erreichen, am besten täglich.
  • ✔ Nach dem Urlaub zuerst Leitungen spülen, dann duschen.

Was sind Legionellen und wie steckt man sich an?

Legionellen vermehren sich in warmem, wenig bewegtem Wasser und in Belägen (Biofilm) in Leitungen, Duschköpfen und Speichern. Angesteckt wird man fast immer durch das Einatmen feiner Wassertröpfchen, zum Beispiel beim Duschen. Das normale Trinken von Leitungswasser ist in der Regel kein Problem, und von Mensch zu Mensch werden Legionellen praktisch nicht übertragen. Mehr dazu unter Wie steckt man sich mit Legionellen an?

Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher:innen, chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Laut AGES gab es 2024 in Österreich 354 Erkrankungen und 14 Todesfälle. 78 % der Erkrankten hatten sich im privaten oder persönlichen Umfeld angesteckt.

Typisch sind laut Gesundheitsministerium rasch einsetzende Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohes Fieber, meist zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung. Hast du solche Beschwerden, ruf deine Hausärztin, deinen Hausarzt oder die Gesundheitsnummer 1450 an.

Ab welcher Temperatur sterben Legionellen?

Am wohlsten fühlen sich Legionellen zwischen 25 und 45 °C. Ab etwa 55 °C wird ihr Wachstum gehemmt, ab 60 °C sterben sie zunehmend ab. Eine scharfe Grenze gibt es nicht: Neben der Temperatur zählen auch die Dauer, der Biofilm und wie gleichmäßig das Wasser im Speicher erwärmt ist.

Wie sich Legionellen bei unterschiedlichen Wassertemperaturen verhalten
Wassertemperatur Was passiert
unter 20 °Ckaum Vermehrung, Überleben möglich
25–45 °Cidealer Bereich für die Vermehrung
45–55 °Cweniger Wachstum, aber keine verlässliche Abtötung
55–60 °CWachstum weitgehend gehemmt
ab 60 °CLegionellen sterben ab, je länger, desto mehr
ab 70 °CBereich für eine thermische Desinfektion durch Fachleute

Bei 50 °C vermehren sich Legionellen also langsamer, sie werden aber nicht zuverlässig abgetötet. Über 60 °C sterben sie laut AGES rasch ab, laut Land Niederösterreich aber nur, wenn die Temperatur konstant gehalten wird. Sofort steril ist das Wasser auch dann nicht.

Was empfehlen die Behörden in Österreich?

Temperaturempfehlungen österreichischer Behörden gegen Legionellen
Stelle Empfehlung
Gesundheitsministerium60 °C am Boilerausgang, 55 °C im Leitungssystem, Kaltwasser unter 20 °C
AGESBoiler auf mindestens 60 °C, am Auslass mindestens 55 °C, auch am hintersten Wasserhahn
Land Burgenland60 °C am Boilerausgang, 55 °C im Leitungssystem; Warmwassersysteme zusätzlich regelmäßig über 70 °C erhitzen
Land Vorarlbergmindestens 60 °C direkt nach dem Warmwasserbereiter, mindestens 55 °C im ganzen Verteilsystem
MedUni Graz, Institut für Hygiene (Steiermark)mindestens 60 °C im Boiler, mindestens 55 °C an den Auslässen, Kaltwasser höchstens 20 °C (nach ÖNORM B 1921)
Land NiederösterreichWarmwasser im ganzen Leitungsnetz mindestens 55 °C (Infoblatt für öffentliche Einrichtungen)
Land Tirolmindestens 60 °C im Warmwasserspeicher, am Wasserhahn nach kurzem Vorlauf mindestens 50 °C

Bei der Temperatur im Boiler sind sich alle Stellen, die einen Wert nennen, einig: 60 °C. Für große Anlagen in Mehrparteienhäusern gibt es zusätzlich die ÖNORM B 1921:2023 mit Anforderungen an Betrieb und Überwachung. Ein Gesetz, das jedem privaten Wohnungsboiler dauerhaft 60 °C vorschreibt, gibt es nicht. Die 60 °C sind aber die klare Empfehlung der Gesundheitsbehörden, und an der solltest du dich orientieren.

Boiler richtig einstellen: Was bedeuten die Stufen am Regler?

Viele Elektroboiler in Österreich stammen von Austria Email, zum Beispiel aus der EWH- oder EKH-Serie. Der Drehknopf an der Vorderseite hat keine Gradangaben, sondern vier markierte Stufen. Laut Bedienungsanleitung bedeuten sie:

Stufen am Temperaturregler eines Austria-Email-Elektroboilers
StufeTemperatur Bedeutung
1–Frostschutz, nur für unbenutzte Räume
2ca. 40 °Chandwarm, mitten im Wachstumsbereich von Legionellen
3ca. 65 °Cempfohlene Einstellung: wirtschaftlich, wenig Kalk, rastet spürbar ein
4ca. 85 °Cheiß, mehr Kalk und Verbrühungsgefahr

Bei manchen Modellen sind die Stufen als Schneeflocke und ein bis drei Punkte markiert, die Bedeutung ist dieselbe. Für die empfohlenen 60 °C stellst du den Regler also auf Stufe 3. Ein eigenes Symbol für 60 °C gibt es nicht. Kurz zusammengefasst steht das auch unter Stufen am Temperaturregler.

Die Angaben sind Richtwerte

Laut Austria Email weichen die tatsächlichen Temperaturen um bis zu ±10 °C von den Stufenwerten ab. Das eingebaute Thermometer zeigt dir, was dein Boiler wirklich erreicht. Bleibt es nach dem vollständigen Aufheizen deutlich unter 60 °C, kannst du den Regler etwas über Stufe 3 drehen.

Gegen Verbrühungen hilft eine thermostatische Mischbatterie, nicht ein kühler eingestellter Boiler.

Wie oft muss der Boiler auf 60 °C heizen?

Eine feste Regel wie „einmal pro Woche“ oder „einmal am Tag eine Stunde“ gibt es nicht. Wie hoch das Risiko ist, hängt davon ab, wie lange das Wasser lauwarm steht, wie viel Wasser verbraucht wird und wie die Leitungen aussehen. Das deutsche Umweltbundesamt hält eine wöchentliche „Legionellenschaltung“ für keinen belegten Ersatz für eine ausreichend hohe Betriebstemperatur (siehe auch Reicht eine Legionellenschaltung einmal pro Woche?).

Sicher ist: Ein Boiler, der jeden Tag vollständig auf seine Solltemperatur aufheizt, ist deutlich besser als einer, der dauerhaft lauwarm bleibt. Dafür braucht er genug Zeit.

Rechenbeispiel: Wie lange dauert das Aufheizen?

Um 100 Liter Wasser von 10 °C auf 60 °C zu erwärmen, braucht es rund 5,8 kWh. Ein Heizstab mit 2 kW ist damit mindestens knapp 3 Stunden beschäftigt. Bei 150 Litern sind es rund 4,4 Stunden.

Meist ist der Speicher nicht ganz leer, dann geht es schneller. Ein fixes Heizfenster von nur zwei Stunden kann an Tagen mit viel Warmwasserverbrauch aber zu kurz sein.

Zeitschaltuhr und smarte Boilersteuerung

Eine Zeitschaltuhr oder Boilersteuerung legt nur fest, wann der Boiler heizen darf. Wie heiß er wird, bestimmt weiterhin sein Thermostat. Ein Heizfenster, zum Beispiel in der Nacht oder mittags beim günstigen SNAP-Tarif, ist also kein Legionellenproblem, solange es lang genug ist, damit der Boiler seine Temperatur auch erreicht.

Genau das weiß eine einfache Zeitschaltuhr nicht. Sie schaltet zu fixen Uhrzeiten, egal ob der Boiler fertig ist oder nicht. Eine smarte Boilersteuerung wie geht-e sieht dagegen den Strom, den der Boiler aufnimmt:

  • Schaltet der Thermostat ab, obwohl der Boiler heizen darf, ist er vollständig aufgeheizt. geht-e erkennt das am Stromverbrauch.
  • Aus dem Stromverbrauch lernt geht-e, wie viel Energie dein Haushalt pro Tag für Warmwasser braucht, und plant das Heizfenster entsprechend.
  • Brauchst du einmal mehr, kannst du in der App jederzeit sofort nachheizen.

Mit niedrigerer Temperatur Strom sparen?

Ein kühlerer Speicher verliert weniger Wärme an den Raum. Viel ist das aber nicht: Ein gut gedämmter 100-Liter-Boiler verliert bei 65 °C laut Datenblatt unter 1 kWh am Tag. Liegt der Speicher im Schnitt bei 50 statt 65 °C, spart das grob 0,2 bis 0,3 kWh pro Tag, also etwa 15 bis 30 Euro im Jahr. Viel mehr bringt es, zu günstigen Tarifzeiten zu heizen, und das funktioniert auch bei 65 °C.

Bitte beachten

  • Wer niedriger heizt, sollte den Boiler zumindest regelmäßig vollständig aufheizen lassen. Das ersetzt aber nicht die Empfehlung von 60 °C: Dass regelmäßiges Durchheizen allein vor Legionellen schützt, ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Leben ältere, kranke oder immungeschwächte Menschen im Haushalt, bleib bei täglich vollem Aufheizen auf Stufe 3.

Boiler im Urlaub: Pausieren und danach spülen

Ein Urlaub ist die heikelste Zeit für Legionellen. Das Wasser in Boiler und Leitungen steht tagelang und kühlt auf Raumtemperatur ab, also genau in den Bereich, in dem sie sich am besten vermehren. Den Boiler die ganze Zeit warm zu halten, kostet aber Strom, obwohl niemand Warmwasser braucht. Eine Pause ist in Ordnung, wenn du an Folgendes denkst:

  1. Heizung pausieren: Während du weg bist, darf der Boiler aus bleiben.
  2. Voll aufheizen: Lass den Boiler nach der Rückkehr vollständig aufheizen, bevor du duschst.
  3. Leitungen spülen: Die AGES rät, alle ungenutzten Leitungen vor dem ersten Duschen drei bis fünf Minuten mit heißem Wasser zu spülen. Die Salzburger Landeskliniken nennen fünf bis zehn Minuten für Warm- und Kaltwasser.
  4. Wenig Sprühnebel: Die Handbrause dabei auf den Boden der Dusche legen und den Raum kurz verlassen (Land Tirol).

Schon nach mehr als drei Tagen ohne Nutzung empfiehlt das Land Tirol, Warm- und Kaltwasser ein bis zwei Minuten laufen zu lassen. Das gilt laut Land Niederösterreich auch für selten genutzte Duschen, etwa im Gästebad. Duschköpfe, Brauseschläuche und Strahlregler solltest du regelmäßig reinigen und entkalken (Land Niederösterreich, Land Tirol); auch Wiener Wasser nennt sie als Teile, die regelmäßig gewartet werden müssen. Mehr dazu unter Kann ich den Boiler im Urlaub ausschalten?

Häufige Irrtümer

Häufige Irrtümer über Legionellen im Boiler und was stimmt
Irrtum Was stimmt
„Bei 60 °C sind sofort alle Legionellen tot.“Temperatur und Dauer entscheiden gemeinsam.
„Einmal pro Woche 60 °C reicht immer.“Nicht belegt. Besser ist eine dauerhaft ausreichende Temperatur.
„Ein kleiner Wohnungsboiler kann keine Legionellen haben.“Das Risiko ist meist geringer als bei großen Anlagen, aber nicht null.
„Legionellen bekommt man vom Trinken.“Meist durch das Einatmen von Sprühnebel, etwa beim Duschen.
„Wenn 65 °C eingestellt sind, hat jeder Liter 65 °C.“Der Regler ist ungenau und das Wasser im Speicher ist nicht überall gleich warm.

Kurze Antworten auf einzelne Fragen findest du auch in unserer Hilfe, zum Beispiel ob 50 °C im Boiler reichen oder was du im Urlaub mit dem Boiler machst.

Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine medizinische oder technische Beratung. Bei einem Legionellenbefund, einem Verdacht auf eine Erkrankung oder bei größeren Anlagen mit Zirkulation wende dich an einen Installationsbetrieb oder die Gesundheitsbehörde. Die Reglerstufen stammen aus den Bedienungsanleitungen der Austria-Email-Elektrospeicher, die Energiewerte sind gerundete Rechenbeispiele von geht-e.

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